Wir, das sind meine Frau Bärbel und ich, mein Name ist Ralf Finger. Wir wohnen in Hamm Westfalen und sind in den Augen vieler Leute ein wenig verrückt. Verrückt? Ja, hundeverrückt! Aber unser Rudel besteht halt nur aus Windhunden und die wenigsten Windhundbesitzer, die wir kennen, und das sind so einige, haben nur einen Hund. Also kann von verrückt eigentlich gar keine Rede sein, vielmehr geben wir unseren Windhunden das, was sie brauchen, nämlich ein Rudel. Damit haben wir aber unsere Schuldigkeit, den Hunden gegenüber, noch nicht beglichen, denn Windhunde wollen nunmal Bewegung. Dazu reichen Spaziergänge an der Leine natürlich nicht aus, sie wollen sich frei bewegen, rennen, sich gegenseitig jagen. Das ist ihre Art in der freien Natur zu spielen, einfach Gas geben. Das können viele Besitzer anderer Rassen nicht nachvollziehen und wundern sich, dass unsere Mädels draussen mit einem Stöckchen wenig zu beeidrucken sind. Dazu aber hinterher noch mehr. Wir sind Mitglieder beim DWZRV, dem deutschen Windhund Zucht- und Rennverband, beim Windhundrennverein Münster und angagieren uns bei der Galgo-Hilfe für den Tierschutz.
Auf den Hund gekommen sind wir durch meine Frau. Bärbel hatte immer schon viel für Hunde übrig, ich kannte es eher gar nicht. Unsere erste gemeinsame Hündin war unser ewiger Sonnenschein, der Wuschelmix Chrissy (siehe Regenbogenbrücke). Sie folgte meiner Frau auf Schritt und Tritt, ein echter Mamahund. Diese kleine Maus leistete eine grosse Überzeugungsarbeit bei mir, sodass auch ich schnell vom Hundefieber infiziert war. So zog nach einiger Zeit mein erster Hund bei uns ein. Ein schottischer Tricolor Collie namens Kimberly. Sie tippelte von Anfang an nur hinter mir her, ein echter Papahund. Ich trenne es hier in "Bärbels Hund" und "mein Hund", weil die Hundis sich eben jeweils eine eigene Bezugsperson ausgesucht hatten, lieb hatten wir natürlich beide Hunde.
Aber da war noch etwas, nämlich, dass Bärbel immer schon gesagt hatte, dass sie mal mit einem Irish Wolfhound leben möchte. Ein Traum, der sooo weit entfernt schien, denn es stellte sich die Frage, ob wir einem Irish Wolfhound Welpen und seiner Aufzucht gewachsen waren. Man kann ja sooo viel falsch machen beim jungen IW. Ganz spontan bot sich uns dann die Gelegenheit, einen IW-Collie-Mix zu bekommen. Vielleicht wäre das ideal, schon mal auf den Irish Wolfhound zu kommen. Zum Üben sozusagen. ;-) So zog unsere Zoe bei uns ein, der dritte Hund im Rudel. Und von da an begann eine andere Zeitrechnung, denn wir waren auf den Windhund gekommen.
Unsere Zoe hatte sowohl etwas vom Collie als auch vom Irish Wolfhound abbekommen. Ihre Bellfreudigkeit und Färbung gab ihr der Collie mit, ihre Grösse, von knapp über 70 cm, die Figur, die Ohren und der Hetztrieb stammen allerdings vom Irish Wolfhound.
Und als Bärbel auch mich mit dem IW-Virus infiziert hatte, dauerte es nicht lange, bis unser erste Irish Wolfhound, Xena of Lough Ree, bei uns einzog. Somit bestand unser Rudel aus vier Hunden. Knapp über ein Jahr, nachdem wir unsere Chrissy über die Regenbogenbrücke gehen lassen mussten, zog der zweite Irish Wolfhound, Caoilfhionn of Lough Ree, bei uns ein. Sie war schon ein anstrengendes IW-Baby, brauchte viel Action und erledigte alles im Laufschritt. Schon sehr früh zeichnete sich ihre Rennlust ab, so dass wir sie irgendwann mal auf der Rennbahn in Münster über die Gerade hinter dem "Hasi" herjagen liessen. Und das war ihre Bestimmung.
Als uns dann auch noch Kimberly verliess, wollten wir einem Windhund aus dem Tierschutz ein neues Zuhause geben. Bärbel fand die Galgos so toll, während ich doch eher einen Greyhound bevorzugt hätte. Bärbel setzte sich durch und Careta, von der Galgo-Hilfe, fand bei uns ein neues Zuhause. Einziges Problem, Zoe und Caoilfhionn liessen sie nur sehr selten mitspielen und so fassten wir den Entschluss, sollte sich Careta, beim Windhundauslauf der Galgo-Hilfe, einen Spielkameraden aussuchen, dann dürfte sie ihn behalten. Gar nicht so leicht, denn Careta ist eine kleine Zicke. Nach einem Jahr stand dann Vida, unsere weisse Galga, auf der Wiese. Erst einen Tag in Deutschland, schwer traumatisiert aus Spanien gekommen, wo sie nichts Gutes erfahren hatte. Da sie Angst vor Menschen hatte und ihre Pflegemama, die die Wiesenaufsicht hat, immerzu von Leuten umringt war, nahmen wir Vida an der Leine mit uns, damit sie etwas Ruhe hat. Sie ging mit uns mit, suchte Schutz unter den Wölfen und sogar Careta stellte sich schützend vor sie, wenn andere Hunde zu nahe kamen. Na wenn das nicht passen sollte. Eine Woche später war Vida der 5. Hund im Rudel. Mit Careta zusammen tobt sie über Tische und Bänke und mittlerweile ist sie soweit aufgetaut, dass auch fremde Menschen bei ihr keine Panikattacken mehr auslösen.
Um nochmal auf den Bewegungsdrang unserer Hunde zurück zu kommen, dazu fahren wir so oft es geht am Sonntag nach Gladbeck zum Windhundauslauf der Galgo-Hilfe. Dazu kommen regelmässige Trainings auf der Windhundrennbahn in Münster oder auch Coursingtraining in Gelsenkirchen. Wir geben unseren Hunden somit die Möglichkeit ihrer Bestimmung, der Hetzjagd, nachzukommen. Und wenn man nach einer solchen Jagd in die Gesichter der Hunde schaut, dann sieht man dieses bestimmte Glitzern in ihren Augen. Und solange unsere Hunde Spass daran haben, werden wir ihnen die Möglichkeit geben, ihre Jagdleidenschaft auszuleben.
So lag es dann auch nicht fern, dass Caoilfhionn ihre Renn- und Coursinglizenz machte und wir nun mit ihr nicht nur zu Ausstellungen, sondern auch zu Renn- bzw. Coursingveranstaltungen fahren. Das ganze Rudel ist natürlich immer dabei.